Spiel und Erziehung

mit dem Hund im Ausland Teil I: Zoll- und Einreisebestimmungen

mit dem Hund im Ausland Teil II: Tipps für ungetrübte Urlaubsfreuden

 Der Unterschied vom Hund zum Wolf

Ihr Welpe daheim

soziale Beißhemmung

 

 

Unterwerfung

Individualdistanz

Schwanzwedeln

Geruchsinn

Signale

Belohnung und Strafe

Erkenntnisse im Rudel Mensch-Hund umsetzen

Zusammenfassung

 

 

 

Spiel und Erziehung

Bereits im Alter von drei Monaten fallen die Welpenzähne aus, brechen die zweiten Zähne durch. Der neue Besitzer muß wissen, daß Welpen nur zu gerne Schuhe, Strümpfe, Mobiliar und alles mögliche ankauen. Wenn man einem Welpen eigenes Spielzeug überläßt, lenkt man seine Aufmerksamkeit von teuren Orientteppichen ab, ebenso von antiken Sesseln oder anderen wertvollen Gegenständen. Das Spielzeug muß man aber immer mit Verstand aussuchen.

So früh wie möglich sollte man den Welpen an ein weiches Halsband und Leine gewöhnen, mit dem Heranwachsen muß das Halsband häufiger erneuert werden. Besonders wichtig ist, mit der Erziehung zur Unterordnung sehr früh zu beginnen, zu dieser Frage gibt es viele nützliche Bücher. Hat der Besitzer gelernt, seinen Welpen mit der Leine zu kontrollieren, ist die Grundimmunisierung des Impfprogrammes abgeschlossen, kann man seinen Junghund in sicheren Bereichen spazieren führen, hier trifft er auf Erwachsene, Kinder und andere Hunde. Eine solche Sozialisierung stärkt das Selbstvertrauen des Junghundes, bereitet ihn auf eine Umwelt vor, in der vor allem Menschen sich mit ihm befassen.
Kinder und Hunde bereiten viel Freude, es kann aber auch zu beträchtlichen Problemen kommen.

Gemeinsames Aufwachsen mit einem Hund bietet dem Kind eine wertvolle Erfahrung, die Betreuung des Haustieres überträgt ihm eigene Verantwortung. Immer muß man aber Kindern klar machen, daß Hunde kein Spielzeug sind, vielmehr ein Lebewesen mit Gefühlen, die genau so sind wie die der Menschen. Die meisten Kinder sind vor einem Alter von sechs Jahren für einen Welpen noch nicht reif genug. Lebt der Hund bereits vor der Geburt des ersten Kindes in der Familie, bedarf es sorgfältiger Überwachung von Hund wie neuem Baby.

Entspringt der Wunsch, selbst zu züchten, nur dem Bestreben, damit die eigenen Kinder zu erziehen, sollten die Hundebesitzer ernsthaft über das Schicksal solcher Welpen nachdenken - in aller Regel werden sie dann von allen Zuchtideen Abstand nehmen. Chirurgische Kastration ist bei Hunden eine recht zuverlässige Methode der Geburtenkontrolle. Sowohl die American Veterinary Medical Association wie der American Kennel Club empfehlen Sterilisation und Kastration zu jeder Zeit, wenn der Junghund erst einmal acht Monate alt ist. Mancher Tierarzt empfehlt hier noch einen gewissen Aufschub, aber meistens erfolgt die Kastration der Hündin vor der ersten Hitzeperiode.

nach oben!

 

Teil I: Zoll- und Einreisebestimmungen

 

Hunde sind, von Außnahmen einmal abgesehen, gute Reisebegleiter. Die meisten sind willige Passagiere im Auto und in öffentlichen Verkehrsmitteln, und auch am Urlaubsort erweisen sie sich als anpassungsfähige Feriengäste. Warum also nicht die schönsten Wochen des Jahres in vierbeiniger Begleitung verbringen? Wer eine Auslandsreise plant, muß sich allerdings frühzeitig mit den geltenden Einreisebestimmungen vertraut machen, damit das gemeinsame Urlaubsvergnügen nicht schon an der Landesgrenze ein jähes Ende findet.

In allen europäischen Ländern (Ausnahme GUS) ist eine Tollwut-Schutzimpfung gesetzlich vorgeschrieben. Diese muß in der Regel mindestens 30 Tage vor Reiseantritt erfolgt sein und darf nicht länger als 12 Monate (Türkei, Restjugoslawien, Kroatien, Slowenien: 6 Monate) zurückliegen. Die Tschechische und Slowakische Republik fordern darüber hinaus eine gültige Impfung gegen Staupe, Hepatitis und Parvovirose, für Lettland ist zusätzlich die Leptospirose-Impfung Pflicht. Tierärzte kennen die Impfbestimmungen und tragen in einem Internationalen Impfpaß eine Gesundheits- und Impfbescheinigung mit allen erforderlichen Angaben für das jeweilige Reiseland ein. In einigen Ländern muß bei der Einreise ein amtstierärztliches Gesundheitszeugnis vorgelegt werden, das erst unmittelbar vor Reiseantritt ausgestellt sein darf. Dies gilt für Bulgarien, die Baltischen Staaten, Griechenland, Polen, Portugal, GUS, die Slowakische und Tschechische Republik, Türkei und Ungarn.

Wer seinen Hund nach Schweden oder Norwegen mitnehmen möchte, muß bereits vier bis fünf Monate vor Reiseantritt eine Einfuhrerlaubnis beim zuständigen Konsulat beantragen. Diese Länder verlangen umfangreiche Impfnachweise, Blutuntersuchungen, die Bestätigung über eine durchgeführte Entwurmung sowie eine Identitätsmarkierung durch Mikrochip oder Tätowierung. Details können bei den örtlichen Veterinärämtern erfragt werden. Nach Frankreich dürfen Hunde erst ab einem Alter von vier Monaten einreisen.

Großbritannien erprobt seit dem 28. Februar 2000 eine Neuregelung zur Mitnahme von Hunden und Katzen, die an die Stelle des alten, sehr strengen Quarantänegesetzes tritt, das bislang eine vierbeinige Urlaubsbegleitung vereitelte. Zu berücksichtigen ist, dass die Reisevorbereitungen nach England einen 6-monatigen Vorlauf benötigen. Die Einzelheiten, die der Tierhalter im Rahmen dieses einjährigen Pilotprojekts zu beachten hat, können im Internet unter http://www.tieraerzteverband.de/tiergsnd/gesund.htm oder beim Urlaubsservice Großbritannien Tel: 069-97 112-3,Fax: 069-97 112-444, email: gb-info@bta.org.uk abgerufen werden.

Für ungetrübte Urlaubsfreuden sollten neben den gesetzlichen Vorschriften noch einige tierärztliche Ratschläge Beachtung finden: in vielen Urlaubsländern ist die Infektionsgefahr für Staupe und Parvovirose noch weitaus größer als in Deutschland. Die rechtzeitige Impfung - auch wenn sie nicht gesetzlich vorgeschrieben ist - schützt den Hund vor Ansteckung am Urlaubsort und zuhause. In einigen südeuropäischen Ländern (z.B. Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal, aber auch Ungarn und Südschweiz) können durch Zeckenbisse und stechende Sandfliegen verschiedene Erreger auf den Hund übertragen werden, die schwere, unter Umständen tödlich verlaufende Infektionskrankheiten auslösen können. Eine Vorsorge gegen Zecken- und Flohbefall ist hier besonders wichtig.

Zeigt der Hund nach dem Urlaub oder auch längere Zeit danach ein verändertes Verhalten, schlechtes Allgemeinbefinden oder Hautveränderungen, kann der Weg zum Tierarzt mit dem Hinweis auf die vorangegangene Reise lebensrettend sein.

 

Quelle: Pressedienst Bunderverband praktischer Tierärzte e.V. 10.09.00

 nach oben!

 

Teil II: Tipps für ungetrübte Urlaubsfreuden

 

Wenn der Vierbeiner mit auf große Fahrt soll, muß die Reise gründlich und vorausschauend geplant werden. Wer den organisatorischen Mehraufwand nicht scheut, wird durch die gemeinsam verbrachten Urlaubsfreuden reich belohnt. Damit der Reisepartner Hund zum Urlaubsglück beitragen kann, sollten einige tierärztliche Ratschläge beachtet werden.

Die meisten Hunde sind begeisterte Autofahrer. Aber auch Tiere, die das Autofahren schlecht vertragen oder ängstlich und übernervös reagieren, müssen nicht zuhause bleiben. Ein Beruhigungsmedikament, das der Tierarzt verordnet, läßt auch sie die Reise gut überstehen. Wichtig sind regelmäßige Bewegungspausen mit Trinkwasserangebot. Und grundsätzlich gilt für Hunde wie für Menschen: mit vollem Magen reist man schlecht. Also, bei kürzeren Fahrten erst am Fahrziel füttern, bei langen Fahrten nur kleine Häppchen zwischendurch anbieten.

Wenn im Wageninneren tropische Temperaturen herrschen, fühlen sich auch die vierbeinigen Passagiere nicht mehr wohl. Hunde können aufgestaute Körperwärme nur in geringem Maße abgeben, ein Hitzestau droht. Daher sollten Autofahrten auf die kühleren Tages- und Nachtstunden verlegt werden. Bei starker Sonneneinstrahlung sollte der Hund möglichst im schattigen Fußraum des Beifahrersitzes untergebracht oder mit hellen, feuchten Tüchern bedeckt werden. Tiere mit dunkler Fellfarbe sind für diese Fürsorge besonders dankbar. Muß der Hund kurzzeitig im geparkten Wagen bleiben, ist unbedingt ein schattiger Parkplatz aufzusuchen.

Auch am Urlaubsort muß dem Hitzschlagrisiko begegnet werden. Es empfiehlt sich, Bewegungsaktivitäten in der Mittagshitze einzuschränken und dem Hund einen kühlen Liegeplatz zuzuweisen. Steht eine Bademöglichkeit zur Verfügung, kann auch sie zur wohltuenden Abkühlung beitragen. Doch Vorsicht, Hunde können ebenso wie ihre Besitzer einen Sonnenbrand erleiden, besonders wenn sie sich häufig im oder am Wasser aufhalten. Meist verbrennt der Nasenspiegel, vor allem wenn er unpigmentierte Stellen aufweist. Hier hilft eine wasserfeste Sonnenschutzcreme.Gefährdet sind auch Tiere mit weißem, kurzem Fell und wenig Unterwolle (z.B. Dalmatiner, Bulterrier, West Highland White Terrier). Solche Rassen sollten möglichst im Schatten bleiben.

Viele Hunde reagieren empfindlich auf Futterumstellungen. Läßt sich am Urlaubsort die gewohnte Fütterung nicht fortsetzen, sollte die Umstellung allmählich erfolgen durch Zumischung steigender Anteile des neuen Futters in das gewohnte. Bei hohen Umgebungstemperaturen ist der Appetit oft vermindert. Das ist kein Grund zur Sorge, solange der Hund nicht an Gewicht verliert. Was nicht gefressen wird, sollte umgehend beseitigt werden. Rasch verderbende Futterreste können Anlaß zu ernsthaften Magen-Darm-Störungen sein. Frisches Wasser (Trinkwasserqualität!) muß immer zur Verfügung stehen.

Heiße Hündinnen können den Urlaubsfrieden nachhaltig stören. Es lohnt sich also, vor der Reise einen Blick auf den Zykluskalender der Hündin zu werfen und gegebenenfalls den Tierarzt um eine kurzfristige hormonelle Verschiebung des Ereignisses zu bitten.

Kleinere Hautwunden, die normalerweise nicht behandlungsbedürfig erscheinen, müssen in südlichen Ländern sorgfältig versorgt werden. Fliegen nutzen solche Möglichkeiten zur Eiablage. Die sich im Wundgebiet entwickelnden Maden können schwere Heilungsstörungen verursachen. Wer sich vor Reiseantritt von seinem Tierarzt eine individuelle Reiseapotheke zusammenstellen läßt, ist auch für solche Zwischenfälle bestens gerüstet.
 

Quelle: Pressedienst Bundesverband praktische Tierärzte e.V. 10.09.00

 nach oben!

 

Erkenntnisse im Rudel Mensch-Hund umsetzen

Als Welpenbesitzer sollte man trotzdem auf eine dominante Rolle bestehen und souverän bei zu festem Zwicken das Spiel abbrechen. So erlauben wir unserem Hund eine natürliche Erziehung und Vermittlung von funktionellen Inhalten. Wir heben den Dominanzstatus des Menschen hervor und lassen den Welpen als Reaktion auf sein Zwicken eine wenig sozial-aussagekräftige Nische erfahren. Der Hund bekommt auf diese Weise gar nicht erst die Möglichkeit, die provokante Aussagekraft dieses Schnappens zu erfahren und für den eigenen Vorteil einsetzen zu lernen. So vermindern wir spätere "Wadenbeißer" und Hunde, die extrem häufig nach Kindern, wenig dominanten Menschen und Familienmitgliedern schnappen.

Körper- und Lautsprache des Hundes

Einer der größten - überheblichen - menschlichen Irrtümer ist die Behauptung, Tiere könnten nicht sprechen. Wir meinen mit „Sprache" nur Sätze mit menschlichen Lauten. Tatsache ist: Tiere besitzen vielfältige Sprachen. Nur verstehen die meisten Menschen sie nicht, oder selten, oder falsch. Wenn Menschen lächeln und dabei ihre Zähne zeigen, kann das ehrlich sein oder geheuchelt. Wenn Hunde ihre Zähne zeigen, ist das weder geheuchelt noch zum Lachen. Sie drohen. Doch beide können von ihren unterschiedlichen Gesten und Mimiken, ihrer verschiedenen Körper- und Lautsprache lernen.

Selbst die Verkümmerung ursprünglicher Rudelkommunikation von Wölfen zu unseren Haushunden lässt noch erkennen, wie sich Hunde untereinander laut- und körpersprachlich verständigen. In abgelegenen Gehöften ist dies noch erhalten geblieben, wenn sich ein Hofhund meldet, schlagen die anderen in der näheren (hörbaren) Umgebung in die Hunde-Nachrichtenmeldung ein. Der Ring an Anwesenheit erklärt die zwangsweise getrennte Rudel-Unterhaltung. Manche Hunde quatschen auch dabei zu viel. Wegen Unterbeschäftigung in Einzelhaft.

Zuerst sollten wir begreifen, dass der gesunde Hund besser hört als wir. Also ist kein Geschrei nötig. Schreien verrät nicht nur Hunden Unsicherheit und Aggressivität. Die deutsche Sprache ist eine hervorragende Dienstsprache, weil sie zischt und hart klingt. Aber Sitz und Platz, Los und Fass klingen zu ähnlich.

 

Die englische Sprache unterscheidet für den Hund deutlicher: „Down" für „Platz", „Sit" für „Sitz". Der Unterschied zwischen den beiden Tätigkeiten „niederlegen" und „sitzen" ist für den Hund klar, zumal „down" angenehmer, beruhigender klingt. Um bei der deutschen Sprache mit vielen Zischlauten zu bleiben, sollten wir demnach das „Sitz!" vom „Plaaaatz" deutlicher trennen. Sprechen Sie „Platz" also gedehnter, tiefer aus. Ein „Pass auf!" können Sie dann schärfer, anregender sprechen. Dazu dient das schärfer gesprochene „Passss".

Alle diese Gebots-Hörzeichen können verständlich ohne Geschrei ausgesprochen werden. Wie wollen Sie mal stärker betonen, wenn Sie schon aus vollem Halse schreien? Jedes denkende Lebewesen stumpft ab, wenn Gebote und Verbote immer in der schrillsten Tonart befohlen werden. Wie doch bei uns Menschen auch. Wenn Sie moderat, ruhig sprechen, können Sie schon mal, wenn der Hund versucht, das Hörzeichen zu ignorieren, deutlicher betonen. Um dann wieder mit ruhigem Ton weiterzusprechen. Lernen Sie, die Gebots-Hörzeichen von den Verbots-Hörzeichen auch unterschiedlich zu betonen, und der Hund hört immer häufiger (darauf), weil er ebenfalls das angenehme Gebot vom unangenehmen Verbot unterscheiden kann.

Monoton gesprochene Hörzeichen - ob Verbot oder Gebot - sind nicht zu unterscheiden. Wenn man aus lauter Unsicherheit zwischen die klaren Hörzeichen einen menschlichen Satz einbaut, verquatscht man die Deutlichkeit. Folge: Der Hund weiss nicht mehr, was gemeint ist. Wenn Ihr Hund sich vier, fünf Jahre an Sie gewöhnt hat, dann weiss er, was Sie meinten. Vielleicht. Aber bis zu diesem Verständnis war es ein adrenalinreiches Leben. Ihr Hund folgte vielleicht nur aus blindem Gehorsam, Einfühlungsvermögen, Druck oder Angst.

Mit zunehmender Gewöhnung an Ihre sprachlichen und körperlichen Eigenarten findet der Hund heraus, was sie ihm bedeuten. Er lernt, mit zunehmendem Alter feinere Unterschiede herauszuhören

 

Der ganze tierische Sprechunterricht ist natürlich dann für die Katz, wenn andere Miterzieher völlig durcheinander befehlen. Der Hund wird dann notgedrungen tun, was er für sich heraushört. Und das wird immer das sein, was für ihn angenehm ist. Natürlich läuft ein Hund lieber ohne Leine, sogar ohne Halsband, aber zu seinem Schutz und zum Schutz anderer geht es oft nicht ohne diese Hilfsmittel. Schlimmste Folge: Er rennt in ein Auto oder er springt ein Kind an. Das kostet nicht nur, es erzeugt Hass. Der Hund ist nicht schuld, denn er lernte es nicht besser. Man sieht und hört die eklatantesten Fehler immer wieder: Der Hund wird bestraft, wenn er herkommt. Auch wenn er nicht auf geschrieenen Befehl nicht folgt: Der Hund verknüpft nur das unmittelbare Tun. Warum sollte er auf diesen furchterregenden Ton hereinfallen und dann, wenn er es doch tun, auch noch bestraft werden? Da wäre er ganz schön bescheuert. Und diesen Fehler macht er nur einmal.

Loben muss man können. Wo und wie loben? Das Wichtigste: Das Lob muss ernst gemeint sein, also nur nach erbrachter (und nicht nur angedeuteter) Leistung - und kein Selbstlob! Manche tragen prallgefüllte Leckerle-Tüten mit sich und verteilen rundum und alle Minuten. Das ist nur Eigensucht: „Guckt nur, alle Hunde kommen zu mir!" Die Hunde nehmen es, klar, aber nicht als Lob.

Sie wollen doch auch nicht ständig durch leichte Schläge auf den Hinterkopf geärgert werden? Also loben (kraulen, streicheln) Sie ihn dort, wo er es ebenfalls als Lob empfindet: am Nacken, an der Kruppe (Schwanzansatz), am Bauch, weniger am Hals. Hinter den Ohren kraulen mag nicht jeder Hund. Es sind empfindsame Stellen. Augenpartien, Ohrlappen, Genitalien und Ruten sind als Lobeszonen tabu. Und zwar besonders für Kinder und Fremde. Das sind die sensibelsten Zonen bei einem Hund.

Das heisst nicht, dass Sie den Hund auch noch loben sollen, wenn er das Gebot nicht beachtete und irgend wann einmal doch herkommt. Ignorieren Sie es und korrigieren Sie sich durch verstärkte Anregung, damit er freudiger zu Ihnen kommt. Spielzeuge, Stöckchen, ein gespieltes Rückwärtsrennen von Ihnen hilft. Sie müssen ihn überzeugen, dass Sie interessanter sind als der Hund da drüben.

 

Die meisten Halter verwechseln das Loben beim richtigen Anlass zum richtigen Zeitpunkt mit Verknuddeln. Dies versteht der Hund als Spielaufforderung und nicht als Lob. Richtig: Wenn er - nach Ihren verständlichen Zeichen - was korrekt ausgeführt hat, und nicht nur angetäuscht, dann mit der freien Hand kurz an der Flanke oder am Hals drüberfahren, eventuell mit einem lobenden Wort. Basta. Wer ihm vermeintlich freundlich einen Klaps gibt, munter ihn zum Spiel auf oder löst seine korrekte Ausführung vorzeitig auf. Ähnliche Missverständnisse kennen Sie ja: der joviale Schulterschlag unter Menschen kann das Gegenteil von Lob bedeuten.

Ihr Hund wird spontaner und freudiger zu Ihnen kommen, wenn er Angenehmes erwarten kann und keinen Anschiss zur falschen Zeit. Wer zu spät reagiert, den bestraft der konsequente Hund. Management by Motivation. Soll auch im Berufsleben wirken. Das Verständnis für den Hund fängt damit an, dass man ihn überhaupt kennt. Verstehen heisst vergleichen.

Der Urahn Wolf braucht, das wissen wir dank Verhaltensforschung und Wildbiologie, ausgeprägte Regeln weil er ein sehr soziales Rudeltier ist - ja sein muss - um so gescheit zu überleben, wie er es uns gelehrt hat. Er konnte sich anpassen, weil in seinem Rudel eiserne Regeln gepflegt werden.

Diese Ordnung ist biologisch. Wir haben damit Schwierigkeiten, weil wir uns von natürlicher Ordnung entfremdet haben. Wir müssen die Natur wieder neu lernen, wollen wir Tiere verstehen. Selbst der Stadtneurotiker, der dekadenteste Superrassehund beherrscht - wenn er es von Klein auf lernen durfte - die Regeln der Hundesprache. Im Vergleich zum Wolf sind sie freilich, wegen dem Umgang mit Menschen, geändert. Man kann nicht sagen, reduziert. Sie haben sich nur dem Menschen angepasst, so weit es dem Rudeltier Hund möglich war. Diese Signale müssen wir wieder neu entdecken. So fällt uns das tierliche Verständnis wesentlich leichter, schlussendlich das Miteinander logischer. Das heisst: nicht vermenschlichend eigennützig, sondern verständnisvoll das Andere im anderen Lebewesen sehen, hören, riechen können. Dies bedeutet im übertragenen Sinne nichts anderes, als Toleranz gegenüber anderen Lebewesen zu üben. An den Körper- und Lautsignalen unterscheiden sich auch die Geschlechter und das Alter. Auch körperbauliche Typen differieren.

 

Das spielauffordernde Knurren eines Herdenschutzhundes klingt viel dumpfer und tiefer, für kleinere Tiere bedrohlicher als das eines Winzlings. Der Resonanzboden des Brustkorbs macht die Töne: Bass gegen Flöte. Die bauartbedingten Bewegungen eines Bernhardiners sind ungleich schwerfälliger als die eines italienischen Windspiels oder kleinen Terriers. Herdenschutzhunde wirken nur schwerfällig. Sie erstaunen dann unwissentliche Beobachter durch vergleichsweise grosse Behendigkeit. Die Spielaufforderung eines extrem niederläufigen Dackels ist wesentlich schlechter ausgeprägt als die eines hochläufigen Hetzhundes. Der Dackel hat nur wenige Zentimeter, um mit dem Vorderbau Bodenkontakt aufzunehmen als ein Hund, der 80 Kilo oder/und 80 Zentimeter Schulterhöhe misst. Hunde in ihrer angezüchteten oder naturbelassenen Vielfalt verhalten sich art- und aufgabengemäss. Die beiden Extreme Jagdteckel und Irish Wolfhound machen es deutlich. Die Beispiele Schlittenhund oder stehohrige Schäferhunde zeigen viel deutlicher Mimiken und Gesten als ein um die Signale Haare, Rute oder Ohren gebrachter Hund. Bei einem Lefzenmonster (meist Molosser) oder mit Überfell verdeckten Fang ein drohendes Fletschen zu erkennen, ist fast unmöglich, wenn da nicht der Ton dazukäme. Das Kupieren von Ruten und Ohren, ein mimik- und sichtbehinderndes Überfell, Sichtbehinderungen oder unbiologische Kopfformen, Nasenraum-Rückbildungen, und ähnliche züchterische Exzesse behindern nicht nur den Hund in seiner Kommunikationsfähigkeit, sondern auch den Menschen, der einen fremden Hund beurteilen will und muss. Selbst ein ausgebildeter Hund gibt deutlichere Signale von sich als ein dumm gehaltener. „Ausbildung" ist auch wörtlich zu verstehen.

Es gibt kein eindeutigeres Beispiel zur optischen wie psychischen Beurteilung als ein möglichst wolfsähnlicher Typus. Die Schlittenhunde Husky oder Alaskan Malamute sind ebenso mustergültig wie die stehohrigen Schäferhunde aller Schläge. Selbst schlappohrige Herdenschutzhund, Schäfer- (Hirten-) oder Hofhunde zeigen ein deutliches Gehabe. Auch sie haben alle Signale dran, die Menschen und Hunde zur Beurteilung brauchen. Dabei ist der stockhaarige (mittlere Haarlänge) Hund - eben mit einem wolfsähnlichen Kleid - noch zu bevorzugen, denn nur an ihm vermögen sich Nackenhaare noch zu sträuben. Vergleichen heisst auch hier verstehen beziehungsweise unterscheiden: Ein Sumoringer ist wesentlich bewegungspassiver als ein Fliegengewichts-Karateka, ein Zwei-Meter-Riese steifer als ein Pygmäe, ein drahtiger Extremsportler agiler als ein asthmatischer Stubenhocker. Ein Kleinkind ist unbeholfener als ein gestandenes Mannsbild oder eine umsichtige Mutter. Biologisch, oder?

Hunde sind freilich ungleich frühreifer als Menschen, wie alle unkomplizierten höheren Lebewesen. Zur Gesamtbeurteilung gehört auch das Einschätzen des Alters. Früher ging man etwas schlicht davon aus, dass ein Hundejahr etwa sieben Menschenjahren entspricht. Zur Zeit kursiert die Relation: erstes Hundejahr gleich 14 Menschenjahre. Stimmt auch nicht mehr. Die Formel ist zu einfach. Das wissen wir heute wesentlich genauer. Aus den genannten physischen und psychischen Arten ergeben sich grosse Unterschiede.

 

Grosse Hunde sind Langsamentwickler. Kleine sind früher „reif". Ein Kleinterrier zum Beispiel ist, pauschal geurteilt, mit zehn Monaten schon erwachsen, ein riesiger Herdenschutzhund dagegen erst ab zwei Jahren. Dabei dürfen auch die artgemässen Temperamente nicht unterschlagen werden, siehe die Extreme Kleinterrier oder Riesen. Es gibt auch innerhalb dieser Grössenordnungen Unterschiede. Ruten- und ohrenkupierte, gebäudedegenerierte Qualzuchten, hör- oder sehbehinderte Hunde sind unnatürlich in ihrer Kommunikationsvielfalt eingeschränkt. Kommen wir also, zum besseren Verständnis, wieder auf den "normalen" Hund.

Die Körpersprache des Hundes ist immer noch sehr vielschichtig. Am schlechtesten zu erkennen ist sie bei Hunden, deren Signalgeber zurückgebildet wurden, wie zum Beispiel beim Bobtail, der sein Gesicht unter dem überlangen Fell nicht zu erkennen gibt, dessen Rute kupiert ist. Die besten Signalgeber sind Hunde mit deutlichen Körpermerkmalen wie beispielsweise Schäferhunde oder Schlittenhunde. Ihre Stehohren - eben dem Wolf ähnlich - und ein Fell samt Rute, die Veränderungen deutlich erkennen lassen, beweisen, dass die wölfischen Signale ihren Sinn haben. Woran erkennt man am deutlichsten einen dominanten (beherrschenden) Hund - meist Rüden? Am erregten Dominanz-Scharren mit den Hinterläufen nach dem Markieren (Urinieren) seines vermeintlichen Reviers, zusätzlich gesträubten Nackenhaaren. Den ängstlichen an eingeklemmter Rute, unterwerfender Körperhaltung und zurück- gelegten Ohren.

Was meinen Sie: Wie viele grundsätzliche Signale kann ein Hund allein mit seinen Körperteilen aussenden?  Es sind ca. 13 unterscheidbare Körpersignale mit 71 Kriterien. Natürlich sind Kopf, Rute, Ohren, Fang die wichtigsten Zeichen. Aber dazu zählen noch viele Feinheiten (Unterabteilungen), die Sie mit Übung erkennen können. Psychologen nennen das Blickschulung. Daran erkennt man nicht nur psychische, sondern auch gesundheitliche Befindlichkeiten, zu der auch die entsprechende Pflege gehört.

 

Und die momentane Befindlichkeit. Geht es Ihnen nicht auch so: Vor Parties oder Prüfungen müssen Sie immer auf die Toilette, oder Sie sollten es? Ihr Zustand: besch***en. Oder: Ein voller Bauch studiert nicht gern. Warum sollte es da einem Hund anders ergehen? Gestresste und gehemmte Lebewesen sehen so aus. verklemmt, bedrückt, alles andere als locker. Die körpersprachlich deutlichsten Kriterien sind Rute, Lefzen, Gebäudehaltung, Ohrenstellung und Blickrichtung. Weitere Differenzierungen sind artgemäße Grundhaltungen der Ruten. Spitze, Schlittenhunde oder die meisten Herdenschutzhunde tragen sie in „Normalstellung" stark nach oben gerollt, Schäferhunde tragen sie gerade bis leicht abwärts fallend, Hetzhunde dagegen oft stärker abwärts. Das Kupieren der Rute ist eine körpersprachliche Behinderung. Die Hunde müssen ersatzweise mit dem ganzen Hinterteil „wedeln"; ein Erkennen der Launen ist für Hunde und Menschen schwieriger. Kurze Haare tun sich naturgemäß schwer beim Sträuben, überlange Lefzen (zum Beispiel bei Doggenartigen) können nicht die Zähne entblößen. Dafür reicht nur die Haut auf dem Nasenrücken, um gekräuselt zu werden. Das Wedeln mit der Rute ist nur ein Zeichen der Erregung. Das heisst nicht, wie allgemein angenommen, dass er dabei grundsätzlich freundlich gestimmt sein muss. Beim Beurteilen muss man also neben allgemeinen Befindlichkeiten diese arttypischen Varianten einbeziehen, um von einer artgemässen Grundhaltung ausgehen zu können. All diese Parameter bilden ein Gesamturteil. Und auch das ist nur ein vorläufiges.

nach oben!

 

Der Unterschied vom Hund zum Wolf

Deutliche Unterschiede zwischen Hund und seinem Vorfahren Wolf

Der Hund und das Bellen: Dieses war die Ausgangsbasis für die Tierärztin und Verhaltensforscherin Dorit Feddersen-Petersen, um die Bedeutung des hündischen Lautäußerungsverhaltens genauer zu analysieren.
Hauptfrage ihrer Untersuchung war: Ist das Bellen nur eine "platte" Lautäußerung, die Gemütszustände begleitet oder ist es ein überlegt eingesetztes Kommunikationsmittel?

Der Wolf spricht mit dem Körper

Nach der Auswertung des Gebells, das in verschiedenen Situationen beobachtet wurde, kann man abhängig von der Rasse zwei bis acht feststehende Lautäußerungen des Hundes unterscheiden. In der Gegenüberstellung von Hund und Wolf zeigt sich ein bedeutender Unterschied: Während der Hund den Großteil seiner Regungen durch Laute zum Ausdruck bringt, benutzt der Wolf hierzu hauptsächlich die Körpersprache. Wolfswelpen hingegen stehen der akustischen Aktivität des Haushundes näher. Dies ist dadurch zu erklären, dass der Domestikationsprozess vom Wolf zum Hund eine Infantilisierung (=Verkindlichung) des Tieres mit sich gebracht hat. Der Hund ist also in einem kindlichen Entwicklungsstadium des Wolfes zurückgeblieben.

Körperliche Einschränkungen behindern die Gestik

Neben dem infantilen Verhalten verhindern aber vor allen Dingen die eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten des Hundes wie z.B. Hängeohren oder Gesichtsfalten, dass sich die effektivere Körpersprache im hundlichen Ausdrucksverhalten durchsetzen kann. Das Zusammenleben von Hunden in einer Gruppe wird daher qualitativ nie die Effektivität und dem Zusammenhalt eines Wolfsrudels erreichen können.

Bellende Beschützer bevorzugt

"Wie Hunde kommunizieren, scheint außerdem in besonderer Weise durch das Zusammenleben mit dem Menschen geprägt zu sein“, so Dorit Feddersen-Petersen. In Verbindung mit dem Domestikationsprozess bevorzugte der Mensch vermutlich Hunde mit ausgeprägtem Lautäußerungspotential. Als Beschützer von Haus und Hof etablierte sich der Hund so in der menschlichen Gesellschaft. Jede Hunderasse hat dabei ihr spezifisches Lautäußerungsschema. So differenziert sich beispielsweise das Bellen eines Schäferhundes von dem eines Cocker-Spaniels. Dies kann mit den menschlichen Dialekten verglichen werden.

Der Hund hat sich dem Menschen angepasst

Mit Hilfe des Bellens kann sich der Hund hauptsächlich in sozialen Bereichen wie im Spiel oder bei Aggressionen verständigen. Dem Wolf dagegen ist es durch die Körpersprache möglich, wesentlich präzisere Informationen zu übermitteln. Auch wenn mit der Entwicklung des Hundes hin zum akustisch – orientierten Tier die intersoziale Fähigkeit Einbußen erlitten hat, so hat sich der Hund dennoch den gegebenen Lebensbedingungen beim Menschen angepasst. Neue Verhaltensmuster wurden sogar in das Repertoire aufgenommen, wie z.B. das "Hundelachen", das es nur beim Haushund gibt. Dorit Feddersen-Petersen: "Wir können eindeutig nachweisen, dass "Lachen" beim Hund ein genetisch verankertes Merkmal ist und somit unter anderem durch das Zusammenleben mit dem Menschen entstanden sein muss."

Die Paarungszeit, auch Ranzzeit genannt, findet im Spätwinter Ende Januar statt, wenn die Weibchen läufig werden. Schon Monate bevor, macht sich eine zunehmende Unruhe bemerkbar. Das Alpha-Weibchen beginnt immer aggressiver zu werden, bis es einen verführerischen Duft verströmt. Es fordert die Rüden zu Spiel auf. Nur dem Alpha-Rüden gefällt das nicht. Er springt die Nebenbuhler an und drückt sie zu Boden. Im Unterschied zu den Hunderüden sind Wolfsrüden nicht das ganze Jahr über zeugungsfähig. Sie paaren sich nur einmal im Jahr. Deshalb ist das Vorspiel zwischen Weibchen und Rüden so wichtig. In der Regel schafft es der Alpha-Rüde sich durchzusetzen und verläßt das Weibchen keine Sekunde. Nach der Paarung bleibt der Alpha-Rüde noch 8-14 Tage bei seinem Weibchen. Nach der kräftezehrenden Ranzzeit muß die Alpha-Wölfin wieder mit den anderen auf die Jagd gehen. Es ist kaum zu erkennen, daß sie trächtig ist.

Die Tragzeit dauert 61-63 Tage. Wenn es wärmer wird, beginnt die Wölfin mit dem Bau einer Wolfshöhle. Sie ist peinlich sauber, es gibt keinen Kot und keinen Uringeruch. kurz vor der Geburt verkriecht sie sich in ihre Höhle, in die sie niemanden hineinlässt. Bei der Geburt will sie alleine sein.
Die Geburt setzt mit Wehen ein, es kommen in Abständen von ein paar Minuten zwischen 3 bis sechs Welpen blind und taub zur Welt. Drei Tage bleibt die Wölfin in der Höhle. Die Welpen schlafen und trinken und liegen in ihrem Fell.
Im Alter von 14 Tagen öffnen die Welpen die Augen.
In der dritten Lebenswoche entwickeln sich die Welpen stürmisch. Sie beginnen zu sehen, hören, krabbeln herum und versuchen erstmals, miteinander zu spielen.
Vom Tag ihrer ersten Begegnung mit den anderen Wölfen des Rudels ungefähr im Alter von vier Wochen bis zu etwa einem halben Jahr beginnt die Sozialisationsphase. In dieser Zeit müssen die Welpen sehr viel lernen: Ihre Artgenossen erkennen und Geschwister und andere Rudelmitglieder auseinanderhalten. Vor allem müssen sie lernen, wie man sich als kleiner Wolf verhält, was man machen darf und was nicht.
Nicht nur für die Welpen verändert sich das Leben, wenn sie aus der Höhle kommen. Von nun an sind alle für den Nachwuchs mit verantwortlich. Es gilt, viel Futter herbeizuschaffen. Auch die Alpha-Wölfin ist wieder bei der Jagd dabei.
Jüngere, vor allem die jungen vom letzten Jahr, bleiben bei den Welpen als "Babysitter" zurück.
Schon richtige Wölfe, müssen sie ihre Umwelt kennen lernen.
Und im Alter von zwei bis drei Jahren werden sie geschlechtsreif. Sie kennen die meisten Gefahren iher Umwelt und die Tücken der Jagd. Eines Tages werden sie sich auch paaren und eigene Welpen aufziehen.

nach oben!

Unterwerfung

 

Diese Frage ist schnell beantwortet: wie ein Welpe. Die schwächeren Exemplare vieler Tierarten
nehmen eine unterwürfige Pose ein oder greifen zu infantilen Verhaltensmustern, wenn sie von einem
dominanten Tier bedroht werden. Fehlt ihnen der Mut, auf die Drohung mit einer Gegendrohung zu
reagieren oder eine aggressive Auseinandersetzung zu riskieren, nehmen sie Zuflucht zu einem
Ausdrucksverhalten, das mit dem eines Menschen, der die weiße Fahne schwenkt, zu vergleichen ist.
Die bedrohten Tiere bemühen sich, die Aggressionen des Angreifers abzubauen, wobei ihnen, je nach
Spezies, verschiedene Möglichkeiten offen stehen. Sie nehmen beispielsweise eine Position ein, die in
erkennbarem Gegensatz zur Drohhaltung steht. Senkt z. B. der Angreifer den Kopf, bereit, im nächsten
Augenblick zuzustoßen, hebt der Unterlegene den seinen; wenn der Drohende seinen Kopf hoch aufrichtet, um größer zu erscheinen, senkt der Bedrohte den Kopf. Ist das Fell des Angreifers gesträubt, legt der Angegriffene das Haarkleid flach an den Körper; wenn der aggressive Gegner hoch aufgerichtet steht, kriecht der submissive, usw. Aber das ist nur eine der beiden grundlegenden Strategien, über die Tierarten verfügen um damit eine Beschwichtigung des Gegners zu erreichen. Die zweite Möglichkeit besteht darin, im Angreifer eine Stimmungslage auszulösen, die im Widerspruch zu seiner Aggressivität steht und sie somit abbaut. Erwachsene Tiere zeigen normalerweise Hemmungen, den Nachwuchs ihrer eigenen Spezies anzugreifen, so dass es einem unterlegenen, erwachsenen Hund gelingen kann, einfach dadurch den aggressionshemmenden Mechanismus auszulösen, dass er sich welpenhaft verhält. Hunde verfügen über zwei Tricks, die ihnen helfen, die soziale Distanz zu verringern: die passive und die aktive Unterwerfung. Bei der passiven Unterwerfung bleibt dem schwächeren Tier keine andere Wahl, denn der Angreifer nähert sich mit allen Anzeichen des Drohverhaltens. Das unter- geordnete Tier kriecht dann auf dem Boden, um möglichst klein zu wirken. Bringt diese Taktik nicht den gewünschten Erfolg, rollt es sich demonstrativ auf den Rücken und lässt die Pfoten schlaff in der Luft hängen, wobei es gelegentlich auch uriniert. Damit wird das Verhalten der Welpen imitiert, die passiv auf dem Rücken verharren, wenn sich die Mutter nähert und den Genitalbereich leckt, um sie zum Urinieren anzuregen. ( In den ersten Lebenstagen urinieren die Welpen nicht von sich aus. Sie werden von der Mutter mit der Nase auf den Rücken gerollt und erst durch diese Bauchmassage zum Urinieren stimuliert. ) Die Nachahmung dieser infantilen Pose von erwachsenen Tieren hat wohl den stärksten Signalcharakter in der Körpersprache der Caniden und in der Regel den gewünschten Erfolg, d. h., sie dämpft die Aggressionslust des Angreifers. Die aktive Unterwerfung verlangt eine andere Taktik. Wenn sich in diesem Fall ein schwächeres Tier einem überlegenen nähert, dann keinesfalls auf dem Bauch. Es muss zu einer anderen Beschwichtigungsgeste greifen, um seine friedlichen Absichten zu demonstrieren. Auch diese leitet sich aus dem Verhaltensrepertoire der Hundewelpen ab: Wenn die Welpen einen Monat alt sind, beginnen sie die erwachsenen Tiere um Futter anzubetteln, indem sie mit ihren Schnauzen so lange die des älteren Tieres berühren, bis dieses kleine Nahrungsbrocken auswürgt. Die aktive Unterwerfung richtet sich nach diesem Schema. Das einzige Problem ist, dass das unterlegene Tier ungefähr dieselbe Größe hat wie das überlegene. Würde es sich dem Leithund zuwenden und ihm einfach das Gesicht lecken, könnte diese Geste als Anmaßung aufgefasst werden. Also nähert es sich ihm in geduckter Haltung, um Welpengröße vorzutäuschen. In dieser Stellung kann es den Kopf heben, um die Schnauze des dominanten Tieres zu erreichen und somit die unerlässliche infantile Haltung zeigen. Ein rangniederer ausgewachsener Hund, der das Welpenverhalten beim Futterbetteln imitiert, kann sich jedem Mitglied seiner caniden Gruppe gefahrlos nähern. Diese Pose gewährleistet den engen sozialen Kontakt, ohne ständig Streitereien herauszufordern.

nach oben!

Individualdistanz  

Unter Individualdistanz versteht man die Entfernung bzw. Nähe die ein Hund duldet ohne darauf mit Aggression zu reagieren. Diese Individualdistanz ist, wie der Name schon sagt, vom einzelnem Individuum, seinem Charakter abhängig. Dass heißt, diese Verhaltensweise ist von Tier zu Tier verschieden. Diese Distanz  ist notwendig um das Rudelgefüge aufrecht zu erhalten. Hierbei ist nicht nur die körperliche Nähe Ausschlag gebend sondern auch der Sichtkontakt. Mit Hilfe des Fixierens kann bereits die Individualdistanz aufrecht erhalten oder gestört werden. Im Zirkus wird durch die Bewegung des Dompteurs und seines Stockes meist mit dieser Individualdistanz gearbeitet.

Einfach ausgedrückt kann man sich vorstellen, dass um jeden Hund zwei verschieden große gedachte Kreise gezogen sind, die jeweils eine Grenze darstellen. Wird von einem anderem Sozialpartner, also auch uns, die äußere Grenze überschritten, reagiert der Hund meist mit Meideverhalten, d.h. er zieht sich weiter zurück. Da sich die Kreise mit dem Hund bewegen, kann er jetzt noch mit Flucht reagieren. Ist ihm aber die Fluchtmöglichkeit versperrt, muß er ab einem bestimmten Punkt mit Aggression reagieren. Beachten wir die Reaktionen des Hundes nicht und überschreiten den zweiten engeren Kreis ebenfalls, welcher meist in sehr enger körperlicher Nähe des Hundes ist, kommt es zwangsläufig zum Angriff des Hundes, wobei sein Körper sämtliche Symptome von Angst zeigt. Das oben gesagte trifft natürlich in erster Linie auf unbekannte, "ungeliebte" oder fremde sich nähernde Individuen zu. Dies kann uns mit jeder Maus passieren, die in der Ecke sitzt und die wir einfangen wollen. Hört sich sehr theoretisch an, ist aber bei jedem Spaziergang mit dem angeleintem Hund zu beobachten. 
Dem angeleintem Hund ist die Fluchtmöglichkeit versperrt. Beim Überschreiten des äußeren Kreises durch einen anderen Hund kommt es zur ersten Reaktion, dem Bellen als Abwehr damit der andere nicht noch näher kommt. Kommt dieser doch näher, kommt es nach kurzzeitiger Unsicherheit des angeleinten Hundes meist doch zur Aggression aus Angst oder Sicherheit weil der andere Hund die Individualdistanz des angeleinten nicht beachtet hat.

Abschließend sei noch gesagt, dass Angst, insbesondere durch ständige soziale Konflikte begründete Angst, oft zu Neurosen (psychische Schäden) und/oder organischen Krankheiten (physische Schäden) führen kann. (Übrigens auch beim Menschen z.B. Magengeschwür).

nach oben!

Schwanzwedeln

Oft hört man sowohl von Laien als auch von Experten, dass Hunde, die mit dem  Schwanz wedeln, uns freundlich gestimmt seien. Diese Schlussfolgerung ist  genauso falsch wie die Annahme, dass eine Katze, deren Schwanz hin und  herpendelt, wütend sei. Was allerdings sowohl dem Schwanzwedeln der Hunde  als auch der Katzen zugrunde liegt, ist ein emotionaler Konflikt, der in der Tierwelt  generell durch Hin und Herbewegungen angezeigt wird. Wenn sich ein Tier in  einer Konfliktsituation befindet, fühlt es sich hin und her gerissen. Es möchte  gleichzeitig angreifen und sich zurückziehen oder sowohl nach rechts wie nach  links ausweichen. Da das eine Bedürfnis das andere ausklammert, verharrt das  Tier zunächst in gespannter Abwartehaltung. Der Körper oder bestimmte  Körperteile werden, dem einen Drang gehorchend, in die eine Richtung  vorgestreckt, dann nach einem Moment reglosen Verharrens im nächsten  Augenblick durch eine ruckhafte Bewegung in die Gegenrichtung. Das hat zu  einer breiten Skala stark ritualisierter Körpersignale innerhalb der verschiedenen  Spezies geführt. Manche Tierarten verdrehen den Nacken, andere machen sprunghafte Stoßbewegungen mit dem Kopf, wenn sie sich in einem Konflikt  befinden; weitere Anzeichen für eine Konfliktsituation sind Einknicken der Beine,  Scharren mit den Pfoten, Drehen der Schulterpartie, geduckte Körperhaltung,  starres Fixieren des Gegners, steiles Aufrichten des Schwanzes oder  Schwanzwedeln, das man bei Katzen und Hunden gleichermaßen kennt. Was geht  nun wirklich im Kopf unseres schwanzwedelnden Vierbeiners vor? Im  wesentlichen sieht sich das Tier zwischen zwei einander widerstrebenden  Bedürfnissen hin und her gerissen. Der Impuls, zu fliehen, hat eine leicht zu  erkennende Ursache: Angst. Der Drang, zu bleiben, ist komplexer, zumal es sich  hierbei nicht um ein einzelnes, sondern um mehrere unterschiedliche Bedürfnisse  handelt. Der Hund möchte vielleicht an Ort und Stelle bleiben, weil er hungrig,  aggressiv, kontaktfreudig oder was auch sonst immer ist. Es ist nicht möglich,  dem nur eine einzige Bedeutung zuzuordnen. Es ist ein optisches Signal, das nicht  isoliert betrachtet werden darf, sondern nur im Zusammenhang mit anderen,  gleichzeitig erkennbaren Äußerungen des Hundes richtig gedeutet werden kann.  
Bei unterwürfigeren Tieren hängt die Rute meist leicht gebogen herunter.  
Bei aggressiveren ist sie in der Regel steif und nach oben gerichtet. Je  demutsvoller und unter- würfiger ein Tier ist, um so tiefer senkt es den Schwanz.  Der selbstbewusste Hund wedelt mit hochaufgerichteter Rute. Wenn all diese  Elemente der Körpersprache bei Hund ( oder Wolf ) in ihrem jeweiligen sozialen  Kontext so leicht zu erkennen sind, warum ist das Schwanzwedeln dann so oft als  freundliche Geste missdeutet worden? Die Antwort ist, dass wir mit Begrüßung  zwischen Mensch und Tier viel vertrauter sind als mit den  Begrüßungszeremonien, die Hunde untereinander pflegen. Ein Rudel Hunde  bleibt den größten Teil der Zeit zusammen, während der menschliche Partner Tag für Tag aufs neue kommt und geht. Wir sehen nur, wie der Hund sein Herrchen  oder Frauchen immer wieder freudig begrüßt. Freude und Aufregung sind die  überwiegenden Stimmungselemente bei der Rückkehr des menschlichen  Rudelführers, gepaart allerdings mit einer vagen Spannung, die aus- reicht, einen  Konflikt und somit das Schwanzwedeln auszulösen. Für viele ist der Gedanke,  unser Hund könnte noch etwas anderes als Liebe für uns empfinden, vielleicht  unerfreulich. Dass er sich vor uns fürchten könnte, wollen wir nicht wahrhaben.  
Aber denken Sie nur einmal an die unterschiedliche Körpergröße. Der Mensch  muss dem Hund wie ein Riese vorkommen, und das allein ist für den Vierbeiner schon beunruhigend genug. Dazu kommt, dass Hunde uns in so vieler Hinsicht  unterlegen, ja, von uns abhängig sind, um zu überleben, da sollte es uns eigentlich nicht erstaunen, dass sie uns gegenüber gemischte Gefühle hegen.  Schwanzwedeln soll außerdem nicht nur ein optisches Signal sein, sondern auch  ein olfaktorisches also der geruchlichen Kommunikation dienen. Das ist für uns  Menschen wiederum schwer verständlich, es sei denn, wir bemühen uns, die Welt  einmal aus der Perspektive des Hundes zu betrachten. Hunde haben einen  Eigengeruch, der vorwiegend von Drüsen aus der Analregion abgesondert wird.  
Durch das rhythmische Schwanzwedeln werden diese Duftdrüsen stimuliert. Ist  die Rute hoch aufgerichtet, wie bei selbstsicheren Hunden, wird die Produktion  ganz erheblich erhöht. Obwohl der Geruchssinn des Menschen nicht ausgeprägt  genug ist, um diese persönlichen Duftnoten zu unterscheiden, haben sie für die  Tiere selbst große Bedeutung. Dieses zusätzliche Erkennungs- merkmal hat mit  Sicherheit dazu geführt, dass das Schwanzwedeln, Signal eines inneren Konfliktes,  im Sozialleben der Caniden eine so ungeheuer große Rolle spielt.

 nach oben!

Geruchsinn

Hunde sind dem Menschen im Hinblick auf den Geruchssinn weit überlegen

Haben Sie schon einmal die Nase eines Hundes berührt? Sie ist kalt und feucht. Das ist wichtig, da mit Hilfe der Feuchtigkeit Moleküle aus der Luft herausgelöst und mit der Riechmembran (Riechschleimhaut) im Inneren der Nase in Verbindung gebracht werden. Von dort werden die gewonnenen Informationen mittels Nervenimpulsen weiter zum Riechzentrum im Gehirn transportiert, wo die Geruchserkennung stattfindet. Im Vergleich zu dem des Menschen ist das Riechzentrum eines Hundes etwa vierzig mal größer. Das heißt, dem Hund steht ein bedeutend größerer Teil des Gehirns für die Geruchserkennung zur Verfügung als dem Menschen.

Millionen von Sensorzellen

Sowohl die Nase wie auch die Riechschleimhaut des Hundes sind dunkel pigmentiert. In Abhängigkeit von der Rasse haben sich Hundenasen in unterschiedlichsten Größen und Formen entwickelt. Die Riechmembrane enthalten dementsprechend unterschiedlich viele Sensorzellen. So besitzt ein Dackel um die 125 Millionen Sensorzellen, während ein Deutscher Schäferhund auf bis zu 220 Millionen kommt. Beim Menschen sind es dagegen nur etwa fünf Millionen.

Gerüche schmecken

Anders als Menschen besitzen Hunde im oberen Maulbereich ein Organ, mit dem sie Gerüche auch schmecken können. Das sogenannte Vomeronasalorgan wird vorwiegend für Düfte benutzt, die mit dem Sozial- und Sexualleben zu tun haben. Es transportiert die von ihm aufgenommenen Informationen direkt an das limbische System, den Teil des Gehirns, der für die emotionalen Reaktionen eines Hundes zuständig ist. Manchmal können Sie Ihren Vierbeiner dabei beobachten, wenn er dieses Organ benützt, z.B. wenn ein Duft ihn besonders erregt. Er klappert dann leicht mit den Zähnen, macht Geräusche und oft läuft ihm eine Speichelspur aus dem Maul, während er den Geruch gleichzeitig riecht und schmeckt.

Aromatisches für Hunde

Wie beim Menschen können Sie auch Hunde in ihrem Verhalten und Befinden mit Düften beeinflussen. Wenn Sie also Ihrem Liebling etwas Gutes tun wollen, können Sie das mittels eines für ihn angenehmen Duftes tun. Wichtig ist, dass er sich seinen Lieblingsgeruch selbst aussuchen kann. Wählen Sie möglichst Düfte, die bei uns in der Natur vorkommen, wie Fichten- oder Tannennadel, Lavendel oder Veilchen. Geben Sie wenige (!) Tropfen eines entsprechenden Duftöls aus der Apotheke auf ein Aromakissen und platzieren Sie dieses in einer Ecke der Wohnung. Ein anderes versehen Sie mit einem anderen Duft. Das Verhalten Ihres Hundes zeigt Ihnen, ob er den Geruch mag oder nicht. Seien Sie aber nicht enttäuscht, wenn sein bevorzugter Duft nicht dem Ihren entspricht. Schließlich haben Hunde so manche Vorlieben, die uns Menschen geradezu stinken.  

nach oben!

 

 Belohnung und Strafe

1. Allgemeines über Belohnung und Strafe

1.1 Belohnung und Strafe beim Menschen im Alltag

 

Im Alltag belohnen wir ein Kind, wenn es ein erwünschtes, ein richtiges Verhalten zeigt. Einem Kellner, der uns höflich und zuvorkommend behandelt hat, geben wir ein großzügiges Trinkgeld. In einem allgemeineren Sinn ist auch jedes Lob, ja jede schlichte Bestätigung einer Handlung wie zum Beispiel ein freundliches "Danke" oder "Ja" eine "Belohnung". Belohnung, Lob und freundliche Bestätigung heben die Stimmung des Betroffenen. Er weiß darüber hinaus, was er in einer ähnlichen Situation tun kann, um wieder Belohnung etc. zu erhalten. Die Wahrscheinlichkeit, daß er sein Verhalten wiederholt, wird hierdurch erhöht.

Im Alltag strafen wir ein Kind, wenn es ein unerwünschtes Verhalten zeigt, in der Hoffnung, daß es dies dadurch nicht wieder tut. Etwas schwächer aber mit der gleichen Absicht ausgesprochen ist das "Nein". Unter Erwachsenen muß man neben dem Einsatz körperlicher Gewalt auch das Einschüchtern etwa durch Gebrüll oder Drohungen zu den Methoden zählen, die Wiederholung des unerwünschten Verhaltens ausschließen sollen.

Belohnung und Strafe, Bestätigung und Mißbilligung sind aber in ihrer Wirkung völlig unterschiedlich. Eine Belohnung bzw. Bestätigung hebt die Stimmung. Darüber hinaus weiß der Handelnde nach der Bestätigung genau, was er bei ähnlichen Situationen wieder machen kann, er weiß, wie er sich verhalten kann. Bei Strafe oder Mißbilligung dagegen weiß er zwar, daß die mißbilligte Handlung falsch war, er weiß aber nicht was er statt dessen tun soll. Er wird unsicher.

 

1.2 "Erfolg" als Belohnung

 

Eine besondere Art von "Belohnung", die gar nicht von einem anderen gegeben werden muß, ist der Erfolg. Wollen der Mensch oder ein Säugetier ein Ziel erreichen, zum Beispiel Nahrung bekommen, so können sie dies oft auf verschiedene Weise versuchen. Mit irgendeiner Handlungsweise werden sie Erfolg haben. Diese Handlungsweise werden sie dann in Zukunft immer wieder anwenden, selbst wenn sie gelegentlich dabei keinen Erfolg haben. Der Erfolg selbst hat hier wie eine Belohnung gewirkt. Er hat die Wahrscheinlichkeit, daß das Verhalten in ähnlicher Situation wieder auftritt, erhöht.

Beispiel: durch Zerren an der Leine ist es dem Hund gelungen, an eine Stelle zu kommen, die er unbedingt beschnuppern wollte. Dieser Erfolg läßt ihn auch in Zukunft kräftig zerren – und tatsächlich hat er auch immer wieder mal Erfolg.

Bleibt jedoch bei einer Handlungsweise der Erfolg stets aus, so kommt sie mit der Zeit nicht mehr vor. Permanenter Mißerfolg führt zur Unterlassung eines Verhaltens.

 

1.3 Gefährdung als "Strafe"

 

Wir können uns durch eine Handlung auch ganz übel in Gefahr bringen. Wird sie uns bewußt oder erleben wir dabei Angst oder verletzen uns sogar, so werden wir die Handlung in Zukunft unterlassen. Auch dies gilt ähnlich bei Tieren. Wie der Erfolg als "Belohnung" wirkt, wirkt die Gefährdung wie eine "Strafe". Sie führt in der Regel zum Unterlassen des Verhaltens. Während der Erfolg allerdings ein Wohlgefühl erzeugt, ist die Gefährdung mit Angst und Fluchtverhalten verbunden. Darauf komme ich später noch einmal zurück.

 

1.4 "Belohnung" und "Strafe" beim Hund

 

Dem Hund ist die Fähigkeit angeboren, ein hohes Sozialverhalten auszubilden (im Gegensatz etwa zu Tigern. Auch bei Katzen ist diese Fähigkeit nur schwach vorhanden.). Bei gutem Umgang mit ihm akzeptiert er uns als sein "Leittier‘". Daher besteht für uns die Möglichkeit, ihn auf verschiedenste Art zu "belohnen", aber auch zu "strafen".

 

Dabei müssen wir allerdings vor dem Einsatz von "Strafe" unbedingt folgendes bedenken:

 

Durch "Strafe" wird der Hund wie der Mensch unsicher. Bestenfalls lernt er, welches Verhalten unerwünscht ist, nicht jedoch, welches statt dessen erwünscht ist. Außerdem erlebt er "Strafe" immer als Bedrohung oder Gefährdung seines Lebens, er bekommt Angst.

Im Zusammenleben von Hunden sind negative Interaktionen, d. h. "Strafen" nur 5 bis 7% aller Interaktionen (nach A. Hallgren) und davon ist wieder nur ein Bruchteil ein Abschnappen. Der Rest ist Knurren.

Wir sollten also "Strafen" immer erst dann einsetzen, wenn wir alle anderen Möglichkeiten, unerwünschte Verhaltensweisen zu unterbinden, wirklich ausgeschöpft haben.

nach oben!

 

Ihr Welpe daheim

Sicher waren Sie einige Male beim Züchter und haben miterlebt, wie "Ihr" Welpe wächst und gedeiht. Nun kommt bald der Tag X und Sie können ihn abholen. Da stellt man sich natürlich die Frage, was man alles so braucht.

·Halsband und Leine

·Näpfe für Wasser und Futter - hier bevorzugen wir entweder Ton- oder Kunststoffnäpfe und die gleich in der Größe, wie sie der ausgewachsene Hund braucht.

·Welpenfutter - es ist ratsam, erst einmal das gleiche Futter zu verwenden, das auch beim Züchter gegeben wurde. Eine Futterumstellung mit der Umstellung auf sein neues Zuhause wäre insgesamt zu viel für ihn.

·Spielzeug - in Läden für Hundebedarf finden Sie eine große Auswahl. Tennisbälle sind nicht geeignet, solange der Welpe noch alles zerlegt. Er könnte den zerkleinerten Tennisball fressen und das ist giftig. Abgeschnittene Hosenbeine mit einem Knoten drin sind ganz toll zum rumzerren, aber es gibt in diesen Geschäften auch fertige Knoten aus einer dicken Kordel. Von ausgedienten Schuhen ist abzuraten. Ihr Welpe wird sie zwar lieben, aber den Unterschied zwischen alt und neu nicht erkennen.

·Hundekorb oder Hundedecke - hier gibt es in Hundegeschäften die tollen WETBEDS, das sind dicke Hundedecken in verschiedenen Größen, auf denen der Welpe weich liegt. Die Decken haben aber auch noch die Eigenschaft, das sie die Nässe nach unten durchleiten und der Hund immer trocken liegt.

·Kamm / Bürste - die Auswahl ist riesig. Fragen Sie ihren Züchter, was für Ihren Hund in Frage kommt, bevor Sie die ganze Palette durchprobieren. Für die langhaarigen Hunde kann ich den elektrischen Hundekamm nur empfehlen, der sich hervorragend zum Lösen von Filzknoten eignet.

·Tierarzt - schauen Sie sich schon mal um, ob in Ihrer Nähe ein geeigneter Tierarzt ist. Fragen Sie evtl. andere Hundehalter in Ihrer Nachbarschaft.

·Garten - er sollte so gesichert sein, dass Sie den Welpen frei laufen lassen können, ohne das er auf die Straße gelangt. Empfindliche oder giftige Sträucher sollten mit einem Zaun aus Maschendraht o.ä. gesichert werden.

·Treppen - viele Welpen sind bei Treppen unsicher, haben Angst, weshalb sie sie meistens hoch- und runterrennen. Dabei können sie sich Zerrungen holen. Vor allem im Hinblick auf die Hüftgelenksdysplasie ist es ratsam, den Welpen keine Treppen laufen zu lassen. Sie sollten ihn tragen, solange es geht, d. h. bei kleineren Rassen zumindest in der Zeit des Wachstums.

·Damit er sie nicht unkontrolliert benutzt, kann man sie mit einem Brett oder einem Blumenrankgitter aus Holz, das sich wie eine Ziehharmonika ziehen lässt, zustellen. Dieses Gitter lässt sich natürlich auch in jeden Türrahmen stellen, wenn man mal verhindern will, das der Welpe in einen bestimmten Raum geht.

Vor allem aber brauchen Sie viel Zeit für Ihren Welpen. Wenn Sie berufstätig sind, dann nehmen Sie sich, wenn es möglich ist 2 Wochen Urlaub, um den Welpen an das neue zu Hause zu gewöhnen.

Am Anfang sollten Sie alle 2 Stunden mit ihm Gassi gehen, damit er nicht auf die Idee kommt und Ihnen in die Wohnung macht. So weiß er, wenn es raus geht, dann darf ich mein Geschäft machen. Gewöhnen Sie Ihn langsam daran alleine zu bleiben.

Darüber und mehr können Sie aber uns auch gern persönlich fragen.

nach oben!

 

soziale Beißhemmung

 

Angeboren oder erlernt?

Die Existenz einer Beißhemmung beim Hund ist unstrittig. Sie vermindert Verletzungsrisiken innerhalb eines Rudels und sichert in einem gewissen Maße die Gesundheit der einzelnen Sozialpartner. So bleibt die Jagdtauglichkeit der Gruppe erhalten, was dem einzelnen Hund und letztlich der Gemeinschaft zu Gute kommt.

Rudelfremde Tiere

Diese Beißhemmung schließt allerdings keine rudelfremden Tiere ein. In einer territorialen Verteidigungsaggression wird oft ungehemmt und ohne Rücksicht auf Angriffs- bzw. Unterordnungsgesten des Gegners gebissen. Gerade dieser Fakt verstärkt den Eindruck einer einzig funktionell-orientierten Beißhemmung. Rudelfremde Tiere, die dem eigenen Überleben anders als Sozialpartner durch die gemeinsame Jagd keinen Vorteil verschaffen, werden trotz eventueller, wenn auch seltener, Unterwerfungsgesten kaum geschont.

Wie aber kommt diese gehemmte Aggression zustande?

Verhaltensforscher Konrad Lorenz stellte die Theorie der angeborenen Beißhemmung auf. Nach Lorenz wird eine Blockierung der für Angriffs- bzw. Tötungsbiss verantwortlichen Hormonausschüttungen durch einen bestimmten Reiz ausgelöst. In diesem Fall handelt es sich um die Unterwerfung oder den Schmerzensschrei des Gegners. Er verglich die Beißhemmung mit einer sogenannten Erbkoordination. Dabei löst ein Reiz ein Verhalten aus, welches ab diesem Zeitpunkt zwanghaft abläuft.

Annahme wurde widerlegt

Seine Theorie fußte zum Teil auf der Annahme, dass Präsentieren der Kehle eines Hundes lasse auf Unterwerfung schließen. Diese Vermutung entpuppte sich mittlerweile als ebenso falsch, wie die Theorie der angeborenen sozialen Beißhemmung. Einen Teil der mittlerweile über die Beißhemmung bekannt gewordenen Fakten stammen aus Beobachtungsreihen des Wolfsforschers Erik Zimen, der Welpen unter verschiedenen Umwelt- und sozialen Einflüssen beobachtete.

Erlerntes Selbstschutzverhalten

Inzwischen wird die soziale Beißhemmung als eine Art erlerntes Selbstschutzverhalten definiert. Hunde folgen nicht wie wir Menschen Moralgesetzen. Eine Unfallverhütung aus "Rücksichtnahme" ist daher auszuschließen. Schon Welpen untereinander lehren einander die soziale Beißhemmung. Wird ein Spiel zu wild und wird von einem Partner zu schmerzhaft zugebissen, folgt nach einem oft recht lauten Schmerzensschrei meist eine heftigere Attacke des Spielpartners. Diese muss bei relativ gleichem Schmerzempfinden der beiden Spielpartner dementsprechende Schmerzen bei dem erstmals heftig zubeißenden Welpen auslösen. Der Prozess der "Gegenattacke" spielt sich unter Wurfgeschwistern meist vor der 4.Woche ab, so dass nach dieser Zeit in erläuterten Situationen meist nur noch ein Abbruch des Spiels zu beobachten ist. Eine weitaus größere Rolle spielt hierbei jedoch die relativ kurze Zeit, welche die Welpen mit dem (Vater-) Rüden verbringen. Dieser sorgt nicht unwesentlich für eine Achtung und Vorsicht bei den Welpen im Umgang mit ihren recht spitzen Zähnchen.

Erfahrene Assoziationen

Der von Lorenz genannte Auslöser, wie z.B. ein Schmerzensschrei weckt in Wirklichkeit bei den Welpen kein zwanghaftes Verhalten, sondern erfahrene Assoziationen. Um Selbstschädigung vorzubeugen tritt so die sogenannte "Beißhemmung" ein. Doch diese bei Welpen so große Bedeutung zugemessene Hemmung ist nichts weiter, als eine Vorbereitung auf die spätere soziale Beißhemmung, die das Rudel funktional erhält. Vor allem aber schützt sie die beiden jeweils interagierenden Kommunikationspartner unbewusst. Da Konfrontationen innerhalb eines noch funktionellen Rudels (unsere Haushunde damit ausgeschlossen) meist leichte Unstimmigkeiten in Privilegien, Dominanzverhältnissen etc. sind, tritt eine reine soziale Beißhemmung nur selten in Kraft. Das dominantere Tier lässt es dann meist mit einer Unterwerfung des anderen auf sich beruhen.

 nach oben!

 

Erkenntnisse im Rudel Mensch-Hund umsetzen

Als Welpenbesitzer sollte man trotzdem auf eine dominante Rolle bestehen und souverän bei zu festem Zwicken das Spiel abbrechen. So erlauben wir unserem Hund eine natürliche Erziehung und Vermittlung von funktionellen Inhalten. Wir heben den Dominanzstatus des Menschen hervor und lassen den Welpen als Reaktion auf sein Zwicken eine wenig sozial-aussagekräftige Nische erfahren. Der Hund bekommt auf diese Weise gar nicht erst die Möglichkeit, die provokante Aussagekraft dieses Schnappens zu erfahren und für den eigenen Vorteil einsetzen zu lernen. So vermindern wir spätere "Wadenbeißer" und Hunde, die extrem häufig nach Kindern, wenig dominanten Menschen und Familienmitgliedern schnappen.

Körper- und Lautsprache des Hundes

Einer der größten - überheblichen - menschlichen Irrtümer ist die Behauptung, Tiere könnten nicht sprechen. Wir meinen mit „Sprache" nur Sätze mit menschlichen Lauten. Tatsache ist: Tiere besitzen vielfältige Sprachen. Nur verstehen die meisten Menschen sie nicht, oder selten, oder falsch. Wenn Menschen lächeln und dabei ihre Zähne zeigen, kann das ehrlich sein oder geheuchelt. Wenn Hunde ihre Zähne zeigen, ist das weder geheuchelt noch zum Lachen. Sie drohen. Doch beide können von ihren unterschiedlichen Gesten und Mimiken, ihrer verschiedenen Körper- und Lautsprache lernen.

Selbst die Verkümmerung ursprünglicher Rudelkommunikation von Wölfen zu unseren Haushunden lässt noch erkennen, wie sich Hunde untereinander laut- und körpersprachlich verständigen. In abgelegenen Gehöften ist dies noch erhalten geblieben, wenn sich ein Hofhund meldet, schlagen die anderen in der näheren (hörbaren) Umgebung in die Hunde-Nachrichtenmeldung ein. Der Ring an Anwesenheit erklärt die zwangsweise getrennte Rudel-Unterhaltung. Manche Hunde quatschen auch dabei zu viel. Wegen Unterbeschäftigung in Einzelhaft.

Zuerst sollten wir begreifen, dass der gesunde Hund besser hört als wir. Also ist kein Geschrei nötig. Schreien verrät nicht nur Hunden Unsicherheit und Aggressivität. Die deutsche Sprache ist eine hervorragende Dienstsprache, weil sie zischt und hart klingt. Aber Sitz und Platz, Los und Fass klingen zu ähnlich.

 

Die englische Sprache unterscheidet für den Hund deutlicher: „Down" für „Platz", „Sit" für „Sitz". Der Unterschied zwischen den beiden Tätigkeiten „niederlegen" und „sitzen" ist für den Hund klar, zumal „down" angenehmer, beruhigender klingt. Um bei der deutschen Sprache mit vielen Zischlauten zu bleiben, sollten wir demnach das „Sitz!" vom „Plaaaatz" deutlicher trennen. Sprechen Sie „Platz" also gedehnter, tiefer aus. Ein „Pass auf!" können Sie dann schärfer, anregender sprechen. Dazu dient das schärfer gesprochene „Passss".

Alle diese Gebots-Hörzeichen können verständlich ohne Geschrei ausgesprochen werden. Wie wollen Sie mal stärker betonen, wenn Sie schon aus vollem Halse schreien? Jedes denkende Lebewesen stumpft ab, wenn Gebote und Verbote immer in der schrillsten Tonart befohlen werden. Wie doch bei uns Menschen auch. Wenn Sie moderat, ruhig sprechen, können Sie schon mal, wenn der Hund versucht, das Hörzeichen zu ignorieren, deutlicher betonen. Um dann wieder mit ruhigem Ton weiterzusprechen. Lernen Sie, die Gebots-Hörzeichen von den Verbots-Hörzeichen auch unterschiedlich zu betonen, und der Hund hört immer häufiger (darauf), weil er ebenfalls das angenehme Gebot vom unangenehmen Verbot unterscheiden kann.

Monoton gesprochene Hörzeichen - ob Verbot oder Gebot - sind nicht zu unterscheiden. Wenn man aus lauter Unsicherheit zwischen die klaren Hörzeichen einen menschlichen Satz einbaut, verquatscht man die Deutlichkeit. Folge: Der Hund weiss nicht mehr, was gemeint ist. Wenn Ihr Hund sich vier, fünf Jahre an Sie gewöhnt hat, dann weiss er, was Sie meinten. Vielleicht. Aber bis zu diesem Verständnis war es ein adrenalinreiches Leben. Ihr Hund folgte vielleicht nur aus blindem Gehorsam, Einfühlungsvermögen, Druck oder Angst.

Mit zunehmender Gewöhnung an Ihre sprachlichen und körperlichen Eigenarten findet der Hund heraus, was sie ihm bedeuten. Er lernt, mit zunehmendem Alter feinere Unterschiede herauszuhören

Der ganze tierische Sprechunterricht ist natürlich dann für die Katz, wenn andere Miterzieher völlig durcheinander befehlen. Der Hund wird dann notgedrungen tun, was er für sich heraushört. Und das wird immer das sein, was für ihn angenehm ist. Natürlich läuft ein Hund lieber ohne Leine, sogar ohne Halsband, aber zu seinem Schutz und zum Schutz anderer geht es oft nicht ohne diese Hilfsmittel. Schlimmste Folge: Er rennt in ein Auto oder er springt ein Kind an. Das kostet nicht nur, es erzeugt Hass. Der Hund ist nicht schuld, denn er lernte es nicht besser. Man sieht und hört die eklatantesten Fehler immer wieder: Der Hund wird bestraft, wenn er herkommt. Auch wenn er nicht auf geschrieenen Befehl nicht folgt: Der Hund verknüpft nur das unmittelbare Tun. Warum sollte er auf diesen furchterregenden Ton hereinfallen und dann, wenn er es doch tun, auch noch bestraft werden? Da wäre er ganz schön bescheuert. Und diesen Fehler macht er nur einmal.

Loben muss man können. Wo und wie loben? Das Wichtigste: Das Lob muss ernst gemeint sein, also nur nach erbrachter (und nicht nur angedeuteter) Leistung - und kein Selbstlob! Manche tragen prallgefüllte Leckerle-Tüten mit sich und verteilen rundum und alle Minuten. Das ist nur Eigensucht: „Guckt nur, alle Hunde kommen zu mir!" Die Hunde nehmen es, klar, aber nicht als Lob.

Sie wollen doch auch nicht ständig durch leichte Schläge auf den Hinterkopf geärgert werden? Also loben (kraulen, streicheln) Sie ihn dort, wo er es ebenfalls als Lob empfindet: am Nacken, an der Kruppe (Schwanzansatz), am Bauch, weniger am Hals. Hinter den Ohren kraulen mag nicht jeder Hund. Es sind empfindsame Stellen. Augenpartien, Ohrlappen, Genitalien und Ruten sind als Lobeszonen tabu. Und zwar besonders für Kinder und Fremde. Das sind die sensibelsten Zonen bei einem Hund.

Das heisst nicht, dass Sie den Hund auch noch loben sollen, wenn er das Gebot nicht beachtete und irgend wann einmal doch herkommt. Ignorieren Sie es und korrigieren Sie sich durch verstärkte Anregung, damit er freudiger zu Ihnen kommt. Spielzeuge, Stöckchen, ein gespieltes Rückwärtsrennen von Ihnen hilft. Sie müssen ihn überzeugen, dass Sie interessanter sind als der Hund da drüben.

Die meisten Halter verwechseln das Loben beim richtigen Anlass zum richtigen Zeitpunkt mit Verknuddeln. Dies versteht der Hund als Spielaufforderung und nicht als Lob. Richtig: Wenn er - nach Ihren verständlichen Zeichen - was korrekt ausgeführt hat, und nicht nur angetäuscht, dann mit der freien Hand kurz an der Flanke oder am Hals drüberfahren, eventuell mit einem lobenden Wort. Basta. Wer ihm vermeintlich freundlich einen Klaps gibt, munter ihn zum Spiel auf oder löst seine korrekte Ausführung vorzeitig auf. Ähnliche Missverständnisse kennen Sie ja: der joviale Schulterschlag unter Menschen kann das Gegenteil von Lob bedeuten.

Ihr Hund wird spontaner und freudiger zu Ihnen kommen, wenn er Angenehmes erwarten kann und keinen Anschiss zur falschen Zeit. Wer zu spät reagiert, den bestraft der konsequente Hund. Management by Motivation. Soll auch im Berufsleben wirken. Das Verständnis für den Hund fängt damit an, dass man ihn überhaupt kennt. Verstehen heisst vergleichen.

Der Urahn Wolf braucht, das wissen wir dank Verhaltensforschung und Wildbiologie, ausgeprägte Regeln weil er ein sehr soziales Rudeltier ist - ja sein muss - um so gescheit zu überleben, wie er es uns gelehrt hat. Er konnte sich anpassen, weil in seinem Rudel eiserne Regeln gepflegt werden.

Diese Ordnung ist biologisch. Wir haben damit Schwierigkeiten, weil wir uns von natürlicher Ordnung entfremdet haben. Wir müssen die Natur wieder neu lernen, wollen wir Tiere verstehen. Selbst der Stadtneurotiker, der dekadenteste Superrassehund beherrscht - wenn er es von Klein auf lernen durfte - die Regeln der Hundesprache. Im Vergleich zum Wolf sind sie freilich, wegen dem Umgang mit Menschen, geändert. Man kann nicht sagen, reduziert. Sie haben sich nur dem Menschen angepasst, so weit es dem Rudeltier Hund möglich war. Diese Signale müssen wir wieder neu entdecken. So fällt uns das tierliche Verständnis wesentlich leichter, schlussendlich das Miteinander logischer. Das heisst: nicht vermenschlichend eigennützig, sondern verständnisvoll das Andere im anderen Lebewesen sehen, hören, riechen können. Dies bedeutet im übertragenen Sinne nichts anderes, als Toleranz gegenüber anderen Lebewesen zu üben. An den Körper- und Lautsignalen unterscheiden sich auch die Geschlechter und das Alter. Auch körperbauliche Typen differieren.

 

Das spielauffordernde Knurren eines Herdenschutzhundes klingt viel dumpfer und tiefer, für kleinere Tiere bedrohlicher als das eines Winzlings. Der Resonanzboden des Brustkorbs macht die Töne: Bass gegen Flöte. Die bauartbedingten Bewegungen eines Bernhardiners sind ungleich schwerfälliger als die eines italienischen Windspiels oder kleinen Terriers. Herdenschutzhunde wirken nur schwerfällig. Sie erstaunen dann unwissentliche Beobachter durch vergleichsweise grosse Behendigkeit. Die Spielaufforderung eines extrem niederläufigen Dackels ist wesentlich schlechter ausgeprägt als die eines hochläufigen Hetzhundes. Der Dackel hat nur wenige Zentimeter, um mit dem Vorderbau Bodenkontakt aufzunehmen als ein Hund, der 80 Kilo oder/und 80 Zentimeter Schulterhöhe misst. Hunde in ihrer angezüchteten oder naturbelassenen Vielfalt verhalten sich art- und aufgabengemäss. Die beiden Extreme Jagdteckel und Irish Wolfhound machen es deutlich. Die Beispiele Schlittenhund oder stehohrige Schäferhunde zeigen viel deutlicher Mimiken und Gesten als ein um die Signale Haare, Rute oder Ohren gebrachter Hund. Bei einem Lefzenmonster (meist Molosser) oder mit Überfell verdeckten Fang ein drohendes Fletschen zu erkennen, ist fast unmöglich, wenn da nicht der Ton dazukäme. Das Kupieren von Ruten und Ohren, ein mimik- und sichtbehinderndes Überfell, Sichtbehinderungen oder unbiologische Kopfformen, Nasenraum-Rückbildungen, und ähnliche züchterische Exzesse behindern nicht nur den Hund in seiner Kommunikationsfähigkeit, sondern auch den Menschen, der einen fremden Hund beurteilen will und muss. Selbst ein ausgebildeter Hund gibt deutlichere Signale von sich als ein dumm gehaltener. „Ausbildung" ist auch wörtlich zu verstehen.

Es gibt kein eindeutigeres Beispiel zur optischen wie psychischen Beurteilung als ein möglichst wolfsähnlicher Typus. Die Schlittenhunde Husky oder Alaskan Malamute sind ebenso mustergültig wie die stehohrigen Schäferhunde aller Schläge. Selbst schlappohrige Herdenschutzhund, Schäfer- (Hirten-) oder Hofhunde zeigen ein deutliches Gehabe. Auch sie haben alle Signale dran, die Menschen und Hunde zur Beurteilung brauchen. Dabei ist der stockhaarige (mittlere Haarlänge) Hund - eben mit einem wolfsähnlichen Kleid - noch zu bevorzugen, denn nur an ihm vermögen sich Nackenhaare noch zu sträuben. Vergleichen heisst auch hier verstehen beziehungsweise unterscheiden: Ein Sumoringer ist wesentlich bewegungspassiver als ein Fliegengewichts-Karateka, ein Zwei-Meter-Riese steifer als ein Pygmäe, ein drahtiger Extremsportler agiler als ein asthmatischer Stubenhocker. Ein Kleinkind ist unbeholfener als ein gestandenes Mannsbild oder eine umsichtige Mutter. Biologisch, oder?

Hunde sind freilich ungleich frühreifer als Menschen, wie alle unkomplizierten höheren Lebewesen. Zur Gesamtbeurteilung gehört auch das Einschätzen des Alters. Früher ging man etwas schlicht davon aus, dass ein Hundejahr etwa sieben Menschenjahren entspricht. Zur Zeit kursiert die Relation: erstes Hundejahr gleich 14 Menschenjahre. Stimmt auch nicht mehr. Die Formel ist zu einfach. Das wissen wir heute wesentlich genauer. Aus den genannten physischen und psychischen Arten ergeben sich grosse Unterschiede.

 

Grosse Hunde sind Langsamentwickler. Kleine sind früher „reif". Ein Kleinterrier zum Beispiel ist, pauschal geurteilt, mit zehn Monaten schon erwachsen, ein riesiger Herdenschutzhund dagegen erst ab zwei Jahren. Dabei dürfen auch die artgemässen Temperamente nicht unterschlagen werden, siehe die Extreme Kleinterrier oder Riesen. Es gibt auch innerhalb dieser Grössenordnungen Unterschiede. Ruten- und ohrenkupierte, gebäudedegenerierte Qualzuchten, hör- oder sehbehinderte Hunde sind unnatürlich in ihrer Kommunikationsvielfalt eingeschränkt. Kommen wir also, zum besseren Verständnis, wieder auf den "normalen" Hund.

Die Körpersprache des Hundes ist immer noch sehr vielschichtig. Am schlechtesten zu erkennen ist sie bei Hunden, deren Signalgeber zurückgebildet wurden, wie zum Beispiel beim Bobtail, der sein Gesicht unter dem überlangen Fell nicht zu erkennen gibt, dessen Rute kupiert ist. Die besten Signalgeber sind Hunde mit deutlichen Körpermerkmalen wie beispielsweise Schäferhunde oder Schlittenhunde. Ihre Stehohren - eben dem Wolf ähnlich - und ein Fell samt Rute, die Veränderungen deutlich erkennen lassen, beweisen, dass die wölfischen Signale ihren Sinn haben. Woran erkennt man am deutlichsten einen dominanten (beherrschenden) Hund - meist Rüden? Am erregten Dominanz-Scharren mit den Hinterläufen nach dem Markieren (Urinieren) seines vermeintlichen Reviers, zusätzlich gesträubten Nackenhaaren. Den ängstlichen an eingeklemmter Rute, unterwerfender Körperhaltung und zurück- gelegten Ohren.

Was meinen Sie: Wie viele grundsätzliche Signale kann ein Hund allein mit seinen Körperteilen aussenden?  Es sind ca. 13 unterscheidbare Körpersignale mit 71 Kriterien. Natürlich sind Kopf, Rute, Ohren, Fang die wichtigsten Zeichen. Aber dazu zählen noch viele Feinheiten (Unterabteilungen), die Sie mit Übung erkennen können. Psychologen nennen das Blickschulung. Daran erkennt man nicht nur psychische, sondern auch gesundheitliche Befindlichkeiten, zu der auch die entsprechende Pflege gehört.

 

Und die momentane Befindlichkeit. Geht es Ihnen nicht auch so: Vor Parties oder Prüfungen müssen Sie immer auf die Toilette, oder Sie sollten es? Ihr Zustand: besch***en. Oder: Ein voller Bauch studiert nicht gern. Warum sollte es da einem Hund anders ergehen? Gestresste und gehemmte Lebewesen sehen so aus. verklemmt, bedrückt, alles andere als locker. Die körpersprachlich deutlichsten Kriterien sind Rute, Lefzen, Gebäudehaltung, Ohrenstellung und Blickrichtung. Weitere Differenzierungen sind artgemäße Grundhaltungen der Ruten. Spitze, Schlittenhunde oder die meisten Herdenschutzhunde tragen sie in „Normalstellung" stark nach oben gerollt, Schäferhunde tragen sie gerade bis leicht abwärts fallend, Hetzhunde dagegen oft stärker abwärts. Das Kupieren der Rute ist eine körpersprachliche Behinderung. Die Hunde müssen ersatzweise mit dem ganzen Hinterteil „wedeln"; ein Erkennen der Launen ist für Hunde und Menschen schwieriger. Kurze Haare tun sich naturgemäß schwer beim Sträuben, überlange Lefzen (zum Beispiel bei Doggenartigen) können nicht die Zähne entblößen. Dafür reicht nur die Haut auf dem Nasenrücken, um gekräuselt zu werden. Das Wedeln mit der Rute ist nur ein Zeichen der Erregung. Das heisst nicht, wie allgemein angenommen, dass er dabei grundsätzlich freundlich gestimmt sein muss. Beim Beurteilen muss man also neben allgemeinen Befindlichkeiten diese arttypischen Varianten einbeziehen, um von einer artgemässen Grundhaltung ausgehen zu können. All diese Parameter bilden ein Gesamturteil. Und auch das ist nur ein vorläufiges. 

 nach oben!

 

Signale


Ein Signal ist das, was Deinen Hund dazu veranlasst, ein ganz bestimmtes Verhalten zu zeigen. Das kann etwas sein, was Du mit ihm geübt hast, "Sitzt", "Platz!" oder "Pfote geben", es kann aber auch ein ganz anderes Verhalten sein. Wenn's klingelt kommt Besuch, der Hund rennt zur Tür. Wenn Du mit einer Tüte raschelst, kommt er angelaufen und bettelt. Erstaunlicherweise werden solche Signale vom Hund meistens sehr schnell gelernt und absolut zuverlässig befolgt, dagegen sind Deine "Kommandos" oft nicht annähernd so wirksam.

Du kannst die Signale danach unterscheiden, mit welchen Sinnen sie Dein Hund verarbeitet. Die Reihenfolge ist nicht zufällig, sondern hierarchisch, d.h. ein optisches Signal nimmt Dein Hund viel besser wahr, als ein akkustisches Signal, (natürlich spielt die Intenstät auch eine Rolle).

1. Geruch

 

Markierungen anderer Hunde, Fährte eines Hasen, Leberwurst an den Fingern, etc.

Wenn Du Jagdhunde (z.B. Beagles) beobachten kannst, siehst Du wie "nasenorientiert" sich sich durch's Leben bewegen. Bei anderen Rassen fällt das oft weniger auf, aber denoch ist der Geruchssinn der am stärksten ausgeprägteste Sinn Deines Hundes.

 

2. Berührung

 

- ist für jeden Hund ein sehr starker Reiz, außerhalb des Rudelverbundes bedeutet plötzliche Berührung meistens unmittelbare Bedrohung, ein natürlicher Feind, ein Angriff. Das natürliche Verhalten auf Berührung ist Erstarren, Angreifen oder Flucht.  
Nun ist Dein Hund durch Gewöhnung und Sozialisierung an Berührungen gewöhnt, fordert vielleicht sogar regelmäßig seine Streicheleinheiten ein, trotzdem ist Berührung nicht unbedingt geeignet um ein Verhalten unter Signalkontrolle zu bringen. Fremde Hunde verbeten sich oft jede Art von Berührung eines ihnen fremden Menschen. Das ist, wenn Du obigen Zusammenhang siehst, ihr gutes Recht und kein Zeichen von "Aggressivität". Leider ist gerade dieses "Nichtwissen" Ursache für viele Beißunfälle. Deshalb solltest Du in jedem Fall das Dulden von Berührungen mit Deinem Hund üben (Dein Tierarzt wird es Dir danken). Allerdings ist es auch Dein gutes Recht, andere Leute darauf hinzuweisen, daß sie Deinen Hund nicht einfach anzugrapschen haben.

 

3. Optische Signale

 

- nimmt Dein Hund mit den Augen wahr, z.B. ein Handzeichen, Deine Körperhaltung und Mimik, Deine Bewegungen, Nachbars Katze vor dem Fenster, u.v.m. Handzeichen sind sehr gut geeignet um eine Verknüpfung mit einem Verhalten herzustellen. Bewegungen nimmt Dein Hund aber wesentlich besser wahr als starre Signale. Optische Signale sind z.B. bei Prüfungen des VDH außdrücklich in der Prüfungsordnung nicht gestattet, Brüllen dagegen ist nicht verboten. Schon etwas merkwürdig, oder?

 

4. Akkustische Signale

 

 nimmt der Hund mit dem Gehör wahr, z.B. Deine Stimme, fremdes Hundegebell, Motorgeräusch von Herrchens Auto, Kühlschranktür...Oft hört man auf den Hundeplätzen lautes Gebrüll, das ist vollkommen unnötig, Dein Hund hört sehr gut. Und brüllen um einzuschüchtern (siehe auch Verhalten, P+) hast Du nicht nötig. Versuche bei den Hörzeichen Worte zu finden, die kurz sind und wenig Zischlaute beinhalten. Keine langen Sätze, von denen verarbeitet Dein Hund nur wenige Silben, der Rest ist "Geräuschmüll". Ganz gut sind auch fremdsprachige Wörter geeignet, die kommen im täglichen Sprachgebrauch sonst nicht vor und sind dadurch eindeutiger für Deinen Hund.

Kraulen

Eine bekannte Hundetrainerin hat einmal während einer Fernsehaufzeichnung bei ihrem Studio Publikum Lachkrämpfe ausgelöst, als sie erklärte, dass es äußerst wichtig sei, männliche Wesen zwischen den Beinen zu kraulen. Gemeint hatte sie damit natürlich Hunderüden und jene Körperstellen, an denen ihnen die Berührung am besten gefällt. Es gibt in der Tat sieben Möglichkeiten, die freundschaftliche Verbundenheit von Mensch und Hund durch physische

Kontaktaufnahme zu demonstrieren. In jeder einzelnen stecken verborgene Faktoren, die äußerst interessant und aufschlussreich sind. Wenn wir einem Rüden die Brust kraulen, so etwa zwischen dem Hals und den Vorderbeinen, empfindet er das wirklich als sehr angenehm. Der Grund liegt auf der Hand: Wenn er eine Hündin besteigt und penetriert, reibt sich seine Brust in einem bestimmten Rhythmus am Rücken seiner Gefährtin. Wenn wir ihn mit der Hand an der Brust kraulen, erinnert ihn das automatisch an die entsprechenden angenehmen Empfindungen. Diese Kontaktform ist vor allem dann zu empfehlen, wenn der Rüde ein besonderes Lob verdient hat. Er empfindet auch großes Behagen, wenn man ihn hinter den Ohren krault und krabbelt. Auch dieses Behagen hat seine Wurzeln im Sexualbereich, denn das Ohr des Partners zu belecken, sich gegenseitig zu beschnüffeln und zu beknabbern gehört zum Vorspiel der caniden Werbung. Wenn man einen Hund, der zum Spielen aufgelegt ist, mit der Hand abwehrt, hat das meistens die gegenteilige Wirkung. Er interpretiert diese Geste nämlich als Teil des Spiels, auf das wir uns wie er glaubt eingelassen haben. Er nähert sich erneut seinem menschlichen Spielpartner und wartet darauf, dass dieser ihn wieder mit der Hand fortstößt. Das Spiel geht weiter und führt mitunter zum sogenannten Spielbeißen, bei dem der Hund die Hand seines Partners vorsichtig mit den Zähnen packt oder ihm sogar erlaubt, seine Schnauze festzuhalten. Solange Mensch und Hund in diesem Spiel sanft miteinander umgehen, kann es die Bindung zwischen ihnen vertiefen, genauso, wie es beim Spiel mit den Wurfgeschwistern der Fall ist. Die wohl häufigste Form des physischen Kontaktes zwischen Hund und Mensch ist der leichte Klaps, das Tätscheln. Diese Bewegung hat für uns besondere Bedeutung, denn sie ist ein Teil des menschlichen Begrüßungszeremoniells. Wenn wir einem Hund den Rücken tätscheln, haben wir unbewusst das Gefühl der Verbundenheit, das sich beim Zusammensein mit einem guten Freund einstellt. Der Hund interpretiert diese bevorzugte Behandlung ganz anders. Hunde klopfen sich untereinander nicht auf den Rücken; also was soll dieser Klaps nun eigentlich bedeuten? Es scheint, als ob Hunde diese Form des Körperkontaktes als eine Art Nasenstupser deuten, der zum Repertoire von Welpen während des Säugens zählt oder im Verhalten von unterlegenen Tieren gegenüber stärkeren beobachtet worden ist. Deshalb muss diese Form des Körperkontaktes für Hunde besonders angenehm sein. Sie sehen darin einen Akt der Unterwerfung, aber da sie wissen, dass wir ihnen überlegen sind, bleibt nur die Möglichkeit, das Verhalten als Beschwichtigungsgeste zu interpretieren. Wenn ein dominanter Hund einem rangniedrigeren die Furcht nehmen will, nähert er sich ihm gelegentlich in einer gespielt submissiven Pose.

 

Und genau dieses Verhaltensmuster sehen sie in unserem Klaps. Hunde mit langem seidigem Fell verführen, wie Katzen, zum Streicheln. Diese Form des Körperkontaktes hat für den Hund allerdings wenig Bedeutungsgehalt; die sanfte Massage erinnert ihn höchstens daran, dass die Mutter ihm als winziges Junges sein Fell mit ihrer großen Zunge liebevoll geleckt hat. Vor allem Kinder suchen eine bestimmte Form des Körperkontaktes mit Hunden: Sie kuscheln mit ihnen. Im allgemeinen nehmen die Vierbeiner diesen Liebesbeweis mit erstaunlicher Bereitwilligkeit hin. Er erinnert sie wohl an die Zeit, als sie sich noch eng zusammendrängten, um die Sicherheit und Nähe der Wurfgeschwister zu spüren, oder als die Mutter den Nachwuchs mit ihrem großen Körper wärmte. Viele Hunde mögen es, wenn man sie am Kopf krault, insbesondere am Kinn. Dies ist eine Art von Kontakt, die der Hund von sich aus sucht. Hunde, die leicht kleine Entzündungen im Bereich der Schnauze oder des Zahnfleisches haben, reiben ihren Kopf gern an den scharfen Kanten eines Möbelstücks. Wenn Herrchen oder Frauchen ihnen diese Arbeit abnimmt, sind sie dafür äußerst dankbar. Was Hunde gar nicht mögen, ist die lästige kosmetische Prozedur, die sie über sich ergehen lassen müssen, bevor sie auf einer Hundeausstellung vorgeführt werden. Stundenlanges Baden und Frisieren kann ein Hund nicht verstehen und ertragen.  
Eine derartig intensive Körperpflege wird im sozialen Verband der Caniden nicht betrieben. Aber da dieser arme Hund nun einmal in einer Menschenfamilie lebt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als das Übel mit der gleichen stoischen Gelassenheit über sich ergehen zu lassen, die er angesichts der Drangsalierungsversuche eines dominanten Hundes zeigt. Die Menschen können sich mehr als glücklich schätzen, so kooperative und anpassungsfähige vierbeinige Partner gefunden zu haben.
 

 nach oben!

 

 

Zusammenfassung

 

                       Ich hoffe, ich konnte in diesem Aufsatz vier Dinge zeigen:

·         Belohnung ist die Basis sowohl der Hundeausbildung als auch von Teilen der Hundetherapie

·         Eine erlernte Unart kann man am schnellsten abgewöhnen, indem man herausbekommt, welches die Belohnung (Erfolg) war, durch die die Unart verstärkt wurde, und diese Belohnung konsequent verhindert.

·         Tiefergehende, das Zusammenleben erschwerende Verhaltensweisen bedürfen vor der Therapie einer eingehenden Analyse. Aber auch bei der Therapie spielt Lernen durch Belohnung eine entscheidende Rolle.

·         "Strafe" hat dort ihren Platz, wo ein Gefahr bringendes Verhalten sofort unterbrochen werden muß. Für das dauerhafte Auslöschen unerwünschter Verhaltensweisen ist "Strafe" in fast allen Fällen der falsche Weg.

 

Literatur: Valery O'Farrell: Manual of Canine Behaviour, Oxford 2nd ed. 1992

 nach oben!